Seele

Psychosoziale Gesundheit: Was ist das?

Seele und Psyche werden im deutschen Sprachgebrauch meist gleichbedeutend verwendet. Seelische bzw. psychische Gesundheit wird auch als mentale Gesundheit bezeichnet. Nach dem heute gängigen biopsychosozialen Modell wird die psychische Gesundheit durch ein komplexes System biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren bedingt.

Die WHO definiert psychosoziale Gesundheit als „Zustand des Wohlbefindens, in dem ein Mensch seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen sowie produktiv arbeiten kann und im Stande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.“ Psychosoziale Gesundheit wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Sie zeigt sich unter anderem darin, dass man Anforderungen bewältigen und Ressourcen gut nützen kann. Nähere Informationen finden Sie unter Einflussfaktoren auf die Psyche.

Tabuthema Psyche

Die Psyche ist nach wie vor ein gewisses Tabu-Thema. Es gibt so manche Hemmschwellen, über seelische Verletzungen und Beschwerden zu sprechen oder bei diesen Hilfe zu suchen. Psychische Störungen sind zum Teil auch auf körperliche Ursachen zurückzuführen, weil ihnen z.B. ein Ungleichgewicht von Botenstoffen oder ein genetisches Merkmal zugrunde liegen kann. Es ist jedoch für viele Menschen oft schwerer zuzugeben, etwa in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung zu sein, als beispielsweise wegen eines Magenleidens zur Ärztin/zum Arzt zu gehen.

Was bedeutet Stigmatisierung?

Im Zusammenhang mit dem Thema Psyche & Tabu fällt auch oft der Ausdruck „Stigma“ oder „Stigmatisierung“. Doch was bedeutet das? In der Medizin wird unter Stigmatisierung ein Zuschreiben stark negativer Eigenschaften zu einer Krankheit bezeichnet.

Stigmatisierung kommt bei körperlichen und seelischen Erkrankungen vor und kann umfangreiche negative Auswirkungen auf Betroffene haben. Sie erschwert das Sprechen über Beschwerden. Dies wiederum führt zu einer späteren Behandlung – die Symptome verschlimmern sich meist einstweilen, können mitunter lebensbedrohlich werden und nachhaltige Folgen nach sich ziehen. Diskriminierende „Sprüche“ wie „Die/der ist spinnt.“ tun ihr Übriges. Nicht nur Betroffene, sondern auch ihre Angehörigen haben dadurch das Gefühl, dass sie mit der Situation alleine sind. Dies führt zu Isolation, die alles nur noch schlimmer macht.

„Darüber reden wir“

Es gibt immer wieder Initiativen, die es sich zur Aufgabe machen, der Psyche das Tabu zu nehmen. Eine ist „Darüber reden wir“. Diese wurde von den Psychosozialen Diensten Wien ins Leben gerufen und hat sich das Ziel gesetzt, über psychische Erkrankungen zu reden – ohne Tabus und Vorurteile. Denn jeder Mensch kann einmal betroffen sein oder jemanden mit psychischen Beschwerden in ihrem/seinem Umfeld kennen. Nähere Informationen (unter anderem auch zu Mythen zum Thema Psyche) finden Sie auf der Website der Initiative.

Was kann jede/jeder tun?

Um Psyche aus der „Tabu-Ecke“ zu holen und Menschen mit Sorgen zu unterstützen, kann jede/jeder beitragen. Zum Beispiel durch:

Gut zuhören und nachfragen: Jemandem wirklich Aufmerksamkeit schenken und Verständnis zeigen. Und sich eher mit gut gemeinten Ratschlägen zurückhalten.

Probleme wahrnehmen: Oft werden Probleme schön- oder weggeredet. Dann kann es sein, dass das Gegenüber dadurch das Gefühl bekommt, nicht darüber reden zu können oder nicht ernst genommen zu werden.

Akzeptanz: Es ist auch in Ordnung, dass es einem einmal nicht so gut geht und man Hilfe sucht.

Hilfe anbieten: Zum Beispiel das Angebot zu reden, wenn man möchte. Einfach für den anderen da zu sein. Und ggf. auch dabei unterstützen, professionelle Hilfe aufzusuchen.

„Darüber reden“: Wenn man mehr über die Psyche spricht, wird sie zu einem selbstverständlicheren Gesprächsthema.

Nähere Informationen was Sie tun können und wo Sie Hilfe erhalten, finden Sie unter Erste Hilfe leisten bei psychosozialen Krisen.

Psyche & Gehirn

Ob Denken oder Fühlen – das Gehirn ist die „Zentrale“, die Sinneseindrücke verarbeitet, Ideen hervorbringt oder Erinnerungen in sich trägt. Das Hirn gehört gemeinsam mit dem Rückenmark zum sogenannten Zentralnervensystem. Milliarden von Nervenzellen stehen im Gehirn untereinander in Verbindung und erzeugen Gedanken und Gefühle. Diese sind von Mensch zu Mensch individuell. Wichtig ist auch, dass sich unser Gehirn über das ganze Leben hinweg entwickeln und neue Verknüpfungen aufbauen kann – man nennt dies „Neuroplastizität“.

Wie kommunizieren Nervenzellen miteinander?

Die Nervenzellen des Gehirns „kommunizieren“ miteinander über elektrische Impulse. Sogenannte Neurotransmitter (Botenstoffe) übersetzen diese Impulse. Zu den Neurotransmittern zählen beispielsweise Noradrenalin, Dopamin oder Serotonin. Nähere Informationen finden Sie unter Neurotransmitter – Botenstoffe im Gehirn.

Wie funktioniert Denken?

Das Gehirn vollbringt viele Meisterwerke – Denken ist eines davon. Beim Denken unterscheiden, interpretieren und ordnen wir Informationen. Somit können Erinnerungen, Vorstellung sowie Wahrnehmung im Kontext betrachtet und neue Zusammenhänge erkannt werden – Erkenntnis wird möglich.

Welche Rolle spielen Gefühle?

Freude, Angst, Wut oder Liebe – Emotionen gehören zum täglichen Leben. Gefühle entstehen im Gehirn mithilfe des emotionalen Systems. Zu diesem zählen der orbitofrontale Kortex (stirnseitiger Teil der Hirnrinde), die Amygdala (Mandelkern), Basalganglien (Stammganglien), Insula (Inselrinde) und mehrere unspezifische Hirnregionen.

Menschen können sich in andere hineinversetzen. Wissenschaftlich ausgedrückt heißt das „Theory of Mind“. Diese steht für die Kompetenz, sich das Wissen, die Gedanken oder Gefühle eines anderen mental vorzustellen.

Auch beim Treffen von Entscheidungen spielen Gefühle eine große Rolle – sie sind uns dabei aber nicht im Weg, sondern unterstützen den Entscheidungsprozess maßgeblich. Eigene Absichten und Wahrnehmungen beeinflussen die Empfindung von Gefühlen – gewisse Situationen werden aufgrund von Erfahrungen oder Eindrücken gedeutet. Nähere Informationen finden Sie unter Die Welt der Emotionen und Tipps zum Umgang mit Gefühlen.

Persönlichkeit – eine lebenslange Entwicklung

Die Persönlichkeit eines Menschen ist als Gesamtheit der psychischen Eigenschaften zu verstehen, die das individuelle Verhalten, Erleben und Denken bestimmt. Sie entwickelt sich über die gesamte Lebensspanne unter Einfluss der umgebenden Umwelt und Ereignisse. In den ersten Lebensjahren spielt sich die Persönlichkeitsentwicklung in Riesenschritten ab.

Jeder Persönlichkeit können bestimmte Merkmale zugeordnet werden. Diese Eigenschaften sind weitgehend stabil wie z.B. Verhaltensweisen, Temperament oder Einstellungen. Die Persönlichkeitspsychologie beschäftigt sich mit der Erforschung des Mythos Persönlichkeit und hat Modelle und Tests entwickelt, mit denen Erklärungen und Diagnostik möglich sind. Ist das Verhalten oder Erleben andauernd und tiefgreifend gestört, kann eine Persönlichkeitsstörung dahinter stecken.

Was kann ich für meine Psyche tun?

Auch im Bereich der psychischen Gesundheit spielen Gesundheitsförderung und vorbeugende Maßnahmen eine wichtige Rolle, um gesund zu bleiben. Als einzelne Person kann man jedoch nur bedingt darauf Einfluss nehmen, ob man psychisch gesund bleibt oder nicht. Man ist also nicht „schuld“, wenn man ein psychisches Problem entwickelt. Neben persönlichen Lebensumständen sowie genetischer Veranlagung üben auch soziale, kulturelle, wirtschaftliche und Umweltfaktoren Einfluss darauf aus.

Kenngrößen für seelische Balance sind etwa:

  • Lebensqualität,
  • Lebenszufriedenheit,
  • Selbstvertrauen,
  • die Möglichkeit, das eigene Potenzial zu nutzen,
  • Perspektiven im Leben zu haben bzw. entwickeln zu können etc.